Wiener zur Pestizidverordnung: Farm-to-Fork-Flaggschiff unter schwerem Beschuss

Rat will die neue Verordnung ins Aus manövrieren. Zum Schaden von Umwelt und Gesundheit, kritisiert Sarah Wiener.

Brüssel, 7. Dezember. Noch diesen Samstag könnte die neue Pestizidverordnung (SUR) für das nächste halbe Jahr auf Eis gelegt werden und damit für dieses Mandat vom Tisch sein. Die EU-Kommission hatte die Regelung erst im Juni 2022 vorgeschlagen, mit dem Ziel, Einsatz und Risiko von Spritzmitteln um 50% zu verringern. Genauso wie es auch in der Farm-to-Fork-Strategie vorgesehen ist. Doch den Mitgliedsstaaten waren diese Ambitionen von Anfang an ein Dorn im Auge. Sie fordern nun neue Studien, damit die Verhandlungen nicht weitergehen können. 

Sarah Wiener, Grüne Abgeordnete und Berichterstatterin für die neue Pestizidverordnung (SUR) kommentiert: „Diese Verzögerungstaktiken sind unverantwortlich und fatal. Der Kommissionsentwurf ist nicht perfekt, aber diese komplette Blockadehaltung vonseiten des Rats erschwert die Arbeit am Dossier noch zusätzlich. Der Ruf nach weiteren Studien ist nicht mehr als eine fadenscheinige Ausrede, um die Verhandlungen zu stoppen. Wir wissen, dass Spritzmittel schwerwiegende Folgen haben und dennoch positioniert sich der Großteil der Mitgliedsstaaten nicht für eine Pestizidreduktion. Ihr Schweigen ist die Zustimmung zu weiterem Biodiversitätsverlust und gefährdet die Gesundheit der EU-Bürger und Bürgerinnen.“

Wiener erklärt: „Die ausgebrachten Spritzmittel sind derart gesundheitsschädlich, dass in Frankreich Lymphknotenkrebs und Parkinson inzwischen als Arbeitserkrankungen in der Landwirtschaft eingestuft werden. Pestizidreduktion ist also in erster Linie eine Investition in die öffentliche Gesundheit. Gleichzeitig geht es auch um Ernährungssicherheit: Auf leeren Ackerwüsten ohne funktionierendes Bodenleben und Ökosystem werden wir in nichts mehr anbauen können. Wir müssen jetzt aus der Ackergiftfalle auszubrechen, den nächsten Generationen zuliebe.

Auch Österreich ist bei den Verzögerungstaktiken im Rat an vorderster Front dabei. Wiener appelliert deswegen: „Bundesminister Totschnig hat jetzt die Chance zu beweisen, dass er die österreichischen Landwirte und Landwirtinnen schützen möchte. Aber dafür muss er seine Blockadehaltung aufgeben. Wenn die Kommission schon weitere Analysen liefern soll, muss in der Zwischenzeit zumindest im Rat weiterverhandelt werden. Das sind die Mitgliedsstaaten ihren Bürgern und Bürgerinnen schuldig.“

Absender:
Sarah Wiener

Ort:
Brüssel am 7.12.2022

Schlagworte:
Landwirtschaft / Pestizide / Farm-to-Fork

Kontakt

Rückfragehinweis:

Ludmilla Reisinger
Pressesprecherin Sarah Wiener, MEP
ludmilla.reisinger@la.europarl.europa.eu
+43 660 3213732

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