#PutenStandards

EU-weite Mindeststandards in der Putenhaltung – jetzt!

Truthühner sind das dritthäufigst gehaltene Nutztier in der EU, dennoch fehlen noch immer EU-weite Mindeststandards für sie. Das heißt, die Tiere verbringen ihre Tage eingepfercht mit viel zu wenig Platz in den Ställen, ohne Tageslicht und Beschäftigungsmöglichkeiten. Um daran endlich etwas zu ändern, hat Sarah Wiener die Initiative #PutenStandards (#StandardsForTurkeys) ins Leben gerufen.

Die Probleme in der Putenmast beginnen schon bei der Züchtung. Für konventionelle Betriebe werden die Tiere auf Leistung gezüchtet; das heißt auf eine möglichst große Brust und eine schnelle Gewichtszunahme. Dass dadurch oft wichtige Lebensfunktionen der Tiere eingeschränkt oder gar unmöglich werden, ist leider selten von Belang. Das Resultat: die Tiere können sich häufig nicht einmal mehr selbst reinigen oder paaren und leiden wegen des hohen Körpergewichts nicht selten an verkrümmten Füßen. Hinzu kommen Brustentzündungen, Sohlenballengeschwüre und andere Erkrankungen.

Es ist also ganz klar, dass die Verhältnisse in der industriellen Putenmast einfach nicht wesensgemäß sind. Ganz im Gegenteil: hier müssen sich oft bis zu sieben Tiere einen Quadratmeter Platz im Stall teilen. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Tiere zu aggressivem Verhalten neigen und sich sogar untereinander kannibalisieren. Um derartige Verletzungen zu verhindern, werden den Jungtieren qualvoll die Schnäbel mit einem Infrarotstrahl amputiert, anstatt ihnen einfach mehr Platz zu überlassen.

Das muss nicht sein

Dabei zeigt die Bio-Haltung ganz klar, dass es auch anders geht: Dort hat jedes Tier einen Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung. Zudem ist eine Außenfläche von 10m2/pro Tier vorgeschrieben, es kommen langsam wachsende Putenrassen zum Einsatz und das Schnabelkürzen ist gänzlich verboten.

Österreich geht in der konventionellen Putenmast zumindest schon mit gutem Beispiel voran: Hier werden nur zwei ausgewachsene Puter pro Quadratmeter gehalten. Doch das schlägt sich natürlich im Preis für österreichisches Putenfleisch nieder. Damit bessere Tierwohlmaßnahmen nicht zum Nachteil für Bäuerinnen und Bauern werden, brauchen wir EU-weite Mindeststandards.

Wann wenn nicht jetzt?

Außerdem ist jetzt ein ausgesprochen guter Zeitpunkt dafür, denn auch die „Farm-to-Fork“ Strategie der Europäischen Kommission sieht eine Überprüfung der EU-Tierwohlrichtlinie vor. Sarah Wiener kämpft deshalb dafür, dass als Teil dieser Überarbeitung nun endlich auch die Pute in die europäische Gesetzgebung mit einbezogen wird. Um diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, startete sie die Initiative #PutenStandards für klare EU-Mindeststandards in der Putenhaltung.

Denn davon würden nicht nur die Tiere profitieren, sondern auch heimische Bäuerinnen und Bauern durch einen faireren Wettbewerb im EU-Binnenmarkt und Verbraucherinnen und Verbraucher durch bessere Fleischqualität.

Die Pute ist das ärmste Schwein unter den Nutztieren.

Folgt meinem Engagement für Mindeststandards in der Putenhaltung – zum Beispiel hier auf meinem Blog oder über meinen Facebook-Account.

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