Neue Gentechnik braucht klare Kennzeichnung

Aktuelle Umfrage unter EU-Verbraucher*innen

Entscheidung zu Neuer Gentechnik: Ende April könnte die Kommission vorschlagen, neue Gentechnik aus der bestehenden GVO-Richtlinie auszunehmen. Das ginge klar gegen den Willen der EU-Bürger*innen, wie eine neue Umfrage zu dem Thema zeigt. 92% sprechen sich für umfassende Risikoanalysen und/oder eindeutige Labels in den Supermarktregalen aus.

Zu Beginn des Jahres haben die europäischen Grünen eine europaweite Umfrage zu GVOs in Auftrag gegeben – jetzt sind die Ergebnisse da. Es zeigt sich einmal mehr ein klares Bild: Quer durch alle Mitgliedstaaten sind EU-Bürger*innen der Meinung, dass gentechnisch veränderte Produkte gut gekennzeichnet sein müssen. Nur 3% gaben an, dass neue Gentechnik keine umfassenden Risikoanalysen und Labels brauche.

Der Zeitpunkt dieser Umfrage könnte wohl kaum entscheidender sein: Denn Ende April will die Kommission ihre Sichtweise auf neue Gentechniken wie “Gene-Editing” präsentieren. Dabei könnte sie den von der Industrie lange geforderten Ausschluss derartiger Methoden aus der Gentechnik-Richtlinie der EU vorschlagen. Das würde ein Ende der Kennzeichnungspflicht und auch der Risikoanalysen bedeuten.

Auch Österreicher*innen für Labels

In Österreich zeigt sich dabei ein ähnliches Bild wie im EU-Schnitt. 91% derjenigen, die schon einmal etwas von Gentechnik gehört haben, finden, dass diese auch gekennzeichnet werden sollte. Besonders skeptisch ist man bezüglich “Gene Editing”: 94% finden, dass Produkte, die mittels Methoden wie CRISPR-Cas hergestellt werden, gekennzeichnet und/oder auf ihre Sicherheit überprüft werden sollten.

CRISPR-bitte was? Mehr Informationen zu den Methoden neuer Gentechnik und ihren Risiken könnt ihr hier nachlesen. 

Gemeinsam gegen Großkonzerne

Mit diesem Rückenwind aus der Bevölkerung in den Segeln, setzen sich die Grünen weiter für umfassende Sicherheitsbewertungen und einen vorsichtigen Umgang mit Gentechnik ein. Und sie sind dabei nicht alleine: Vergangene Woche haben sich zahlreiche NGOs zusammengeschlossen und einen Brief an Frans Timmermans, den Kommissar für Klimaschutz, geschickt. Darin forderten sie Timmermans auf, sich unbedingt für eine Regulierung neuer Gentechniken einzusetzen. Den vollständigen Brief lest ihr hier.

Die Grünen haben aber auch unerwartete Zustimmung von anderer Seite erhalten: Denn sogar die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, hat inzwischen Risiken in der Anwendung neuer Gentechnik eingeräumt. Bislang hatte sie behauptet, diese sei nicht gefährlicher als konventionelle Züchtung. Doch im Februar stellte sie in einer Stellungnahme fest, dass Risikoanalysen unumgänglich seien, da es auch bei “präzisen” Methoden wie dem “Gene Editing” zu ungewollten Nebeneffekten kommen kann. Mehr dazu lest ihr hier

Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, was die Kommission Ende April aus dem Hut zaubert – wir halten euch auf dem Laufenden.

Ihr Wollt mehr wissen?

Die Europäischen Grünen haben die vollständigen Ergebnisse ihrer Studie auf ihrer Website veröffentlicht. Hier könnt ihr die genauen Fragestellungen und die Ergebnisse in allen EU-Ländern einsehen.

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